Schönerstadt

Die erste verbürgte Nennung des Ortsnamens Schönerstadt (als  Sconerstadt) datiert auf das Jahr 1243. Nach der Gründung der Burg Meißen 929 siedelten sich zunehmend aus Rheinfranken stammende Bauern in den früher von Elbslawen bewohnten Gebieten an. Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts entstanden neue Siedlungen in der Markgrafschaft Meißen. Höchstwahrscheinlich wurde im Zug dieser Besiedlungswelle auch Schönerstadt als zweireihiges Waldhufendorf gegründet.

Aus dem Jahr 1551 sind erste Angaben über die Bevölkerungszahl und die Größe von Schönerstadt überliefert. Danach umfasste der Ort 30 ½ Hufen an landwirtschaftlichem Grundbesitz sowie Nutzungsrechten an der Flur und zählte 24 Besessene Mann, 8 Häusler und 25 Inwohner. Für 1764 sind 20 ¾ Hufen von 5 bis 9 Scheffel Größe sowie 16 Besessene Mann, 6 Gärtner und 32 Häusler überliefert. Im Jahr 1900 erstreckte sich Schönerstadt über eine Fläche von 490 Hektar. Die Bevölkerungszahl schwankte im 19. und 20. Jahrhundert zwischen 660 (1862) und 386 (1993). Durchschnittlich zählte der Ort von 1834 bis 1993 561 Einwohner.

Schönerstädter Gerichtssiegel

In der Mitte des 15. Jahrhundert befindet sich Schönerstadt zusammen mit Börnichen im Besitz der Familie von Rechenberg. Beide Orte werden 1478 als Teil des Leibgedings der Barbara von Rechenberg erwähnt. Ihre Heirat mit Kaspar von Schönberg überführt Schönerstadt in das Eigentum dieser Familie.

Nach einem ersten Lehnbrief aus dem Jahr 1482 wurde Kaspar vier Jahre später von Herzog Albrecht nochmals mit Schönerstadt, einer Reihe weiterer Städte und Dörfer sowie dem Schloss Sachsenburg belehnt. Die Familie von Schönberg, genauer gesagt die durch Hans Caspar von Schönberg auf Neusorge begründete Börnichener Linie, deren Stammsitz das  Schloss in Börnichen wurde, besaßen in den folgenden Jahrhunderten trotz durch Erbteilungen bedingter personeller Wechsel die Eigentumsrechte an der Gemeinde Schönerstadt.

Die Einwohner von Schönerstadt mussten auf dem Rittergut Börnichen und dem umfangreichen Landbesitz der Familie von Schönberg Fron- und Zinsdienste leisten. Die Ablösung der Fron- und Zinsdienste der Schönerstädter Einwohner an die Herrschaft in Börnichen erfolgte 1832 gegen eine einmalige Geldentschädigung. Ein Jahr später wurde der Gesindedienstzwang aufgehoben.


In den Quellen finden sich verschiedene Schreibweisen des Ortsnamen, wie beispielsweise Schomrstadt oder Schonirstet. Der Name bedeutet „Siedlung an schöner Stelle”. Es ist nicht bekannt, wann das heute noch gebräuchliche Schönerstädter Bildsiegel entstanden ist. Das Siegel enthält, wie bei Dorfsiegeln üblich, Formenelemente aus dem volkstümlichen Kunstschaffen, in diesem Fall: Blume und Herz. Die Bedeutung der Waage in dem Herzen ist nicht nachvollziehbar. Neben dem Bildsiegel war im 19. und 20. Jahrhundert noch ein einfaches Schriftsiegel gebräuchlich.

Das Ortsbild von Schönerstadt wird geprägt von zahlreichen Drei- und Vierseithöfen sowie einzelnen Häusern, die sich links und rechts entlang der Hauptstraße befinden. Es gibt keine dominierenden Gebäude. So verfügt Schönerstadt über keine Kirche, sondern ist seit der Reformation 1539 nach Oederan gepfarrt. Für die Ortsgeschichte in ihrer Funktion bedeutende Gebäude waren und sind die Schule, der Gasthof und die Sporthalle. In der Vergangenheit spielte zudem das Gemeindehaus eine wichtige Rolle.

Es ist wahrscheinlich, dass Schönerstadt von den Hussitenkriegen (1419-1436) und dem kurze Zeit später stattfindenden Sächsischen Bruderkrieg (1446-1451) in Mitleidenschaft gezogen wurde. Allerdings ist das nicht nachweisbar. Belegbare Nachrichten sind erst aus späteren Konflikten überliefert. So entstanden den Bewohnern 1547 durch die von spanischen Truppen Kaiser Karls V. im Zuge des Schmalkaldischen Krieges (1546/47) erzwungenen Einquartierungen hohe Kosten. Noch schlimmer erging es dem Ort in den Freiheitskriegen gegen Napoleon (1812-1815). Ausgehend von Feldlagern in Oederan und Umgebung wurde Schönerstadt durch französische Soldaten geplündert.

Historische Fotografien...
... von Schönerstadt


Die großen Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts gingen auch an Schönerstadt nicht spurlos vorbei. Am Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) nahmen vier aus Schönerstadt stammende Soldaten teil. Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) verzeichnete Schönerstadt 200 Einberufene, von denen 25 ihr Leben ließen. Diese traurige Zahl steigerte sich im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) auf 34 Gefallene.