Breitenau / Lößnitztal

Breitenau, Thiemendorf und Hetzdorf entstanden infolge der Besiedlung des Gebietes um Oederan durch fränkische Bauern als Waldhufendörfer. Im Jahr 1350 wird Thiemendorf als Tymendorf erstmals erwähnt, 1378 Breitenau als Breytenow und Hetzdorf als Heczelstorf. Der Ortsname „Breitenau“ ist auf die geographische Lage des Ortes zurückzuführen und bedeutet „Siedlung in der weit ausgedehnten Aue“. „Hetzdorf“ und „Thiemendorf“ lassen sich hingegen auf Personennamen zurückführen. Hierbei handelt es sich vielleicht um die Namen der Anführer der fränkischen Siedler. So bedeutet Hetzdorf „Dorf eines Hetzel“ und „Thiemendorf“ „Dorf eines Thiemo“.

Wappen Breitenau
Gemeinde Breitenau


Breitenau nimmt im Vergleich zu anderen Dörfern der Umgegend grundrechtlich dahingehend eine besondere Stellung ein, dass es seit Mitte des 14. Jahrhunderts (1355) vom Markgrafen von Meißen, Wilhelm dem Einäugigen(1343-1407), der Kirche „Unserer lieben Frauen“ in Oederan zugeeignet wurde. Somit war der Ort keinem feudalen Grundherrn gegenüber abgabepflichtig, sondern der Kirche. Die Bedingung, die Markgraf Wilhelm an die Schenkung knüpfte, bestand darin, dass jeden Tag eine Frühmesse abgehalten werden sollte.
Thiemendorf und Hetzdorf waren Amtsdörfer des Amtes Schellenberg- Augustusburg.

Frondienste der Breitenauer Bauern an das Oederaner Pfarramt

Die Dienste waren im “Gesetz und Ordnung des Dorfes Breitenau 1610” genau geregelt. Darin ist unter anderem festgehalten:

  • Wenn der Pfarrer wegfahren und wegreisen will, sollen die Pferde zur festgesetzten Stunde vorhanden sein.

  • Niemand von Breitenau darf ins Gerichtsbuch schreiben, denn nur der Kirchner von Oederan, der der Gemeinde Breitenau allzeit verordneter Schreiber ist.

  • So jemand etwas zu verkaufen haben, es seine Hühner, Gänseeier, Vieh, Kälber, Lämmer und anderes noch, so soll er es dem Pfarrer zuerst anbieten, und falls dieser etwas davon benötigt, soll er es ihm nach Billigkeit ablassen. Wenn es aber der Pfarrer nicht bedarf oder kaufen will, dann mag er es anderswo ausbieten und verkaufen. Sollte aber jemand gegen diese Vorschrift verstoßen, so soll er die Hälfte des erzielten Kaufpreises unverzüglich erlegen.

  • Die Bauern mussten Ernte- und Düngerfuhren und so genannte Amtsfuhren verrichten.

  • Sie waren verpflichtet, das Deputatholz für den Pfarrer von Oederan anzufahren und auf- und abzuladen.

  • Die Häusler mussten die bei der Bewirtschaftung der Pfarrgrundstücke erforderlichen ungemessenen Handdienste aller und jeder Art leisten sowie die Holzschlagdienste einschließlich des Reisighackens.


Historische Fotografie

Das heutige Breitenau besteht aus den früher eigenständigen Ortschaften Thiemendorf, Hetzdorf und Breitenau sowie der auf Thiemendorfer Flur gelegenen Ansiedlung Lößnitztal, die allerdings niemals politisch selbständig gewesen ist. Im Jahr 1921 schlossen sich zunächst Thiemendorf und das flächenmäßig kleinere Breitenau zusammen. Hetzdorf schloss sich dem Gemeindeverband sechs Jahre später an.

Die drei Orte besaßen schon vor ihrem Zusammenschluss eine gemeinsame Schulgemeinde. Zudem waren Thiemendorf und Breitenau territorial sehr eng miteinander verbunden. Die jeweiligen Grundstücke wurden nur durch den Hetzbach getrennt.


1953 und 1954 wurden in Breitenau auf der Grundlage des Landbesitzes von DDR-Flüchtigen zwei örtliche Landwirtschaftsbetriebe gegründet.

Sie schlossen sich 1955 zur LPG „des Friedens“ zusammen, die sich auf die Rinderproduktion spezialisierte. Neben der LPG „des Friedens“ entstanden in Breitenau 1952 bzw. 1960 noch zwei LPGen des Typs I. Beide Betriebe schlossen sich in den 60er Jahren der LPG „des Friedens“ an, die ab 1967 die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche des Ortes bewirtschafte. Nach der Vereinigung mit den LPGen aus Börnichen und Schönerstadt 1974 spezialisierte sich die LPG „des Friedens“ Breitenau auf die Tierproduktion mit den Zweigen Milch- und Färsenproduktion sowie Schweinezucht. Als weitere Produktionszweige baute man ab 1983 den Embryotransfer von Rindern sowie ab 1984 das Damwildgehege auf.

Historische Postkarte

Nach der politischen Wende 1989 endete die Geschichte der LPG „des Friedens“. Am 3. April 1991 wurde die Agrozuchtfarm Breitenau e. G. ins Leben gerufen. Im Jahr 2001 beschäftigte sie 44 Mitarbeiter, die 1600 Hektar Nutzfläche bewirtschafteten und 1300 Rinder, darunter 600 Milchkühe, versorgten. Hinzu kamen 400 Stück Damwild, eine Schafherde, Gänse, Enten und Tauben. Die Schweineproduktion ist zum Jahresende 2000 eingestellt worden. Die Agrozuchtfarm ist seit 1993 auch Hauptgesellschafter der Breitenauer Transportbeton GmbH.