Börnichen

Börnichen ist vermutlich im 12. Jahrhundert durch die Besiedlung des Territoriums durch die Rheinfranken entstanden, die sich hier in einer Quellmulde des nördlichen Hetzbachzuflusses niederließen. Aufgrund der umgrenzenden Höhenzüge wurde die Ansiedlung als radiale Waldhufenflur angelegt. 1378 wird sie als „Bornichen“ erstmals urkundlich erwähnt.

Die Geschichte von Börnichen ist eng mit dem Rittergut und seinen Besitzern verknüpft. 1437 wird Hansen von Erdmannsdorf durch Herzog Friedrich u. a. mit Vorwerk und Dorf Börnichen belehnt.
Mitte des 15. Jahrhundert befindet sich Rittergut und Dorf im Besitz der Familie von Rechenberg. 1478 werden sie als Teil des Leibgedinges der Barbara von Rechenberg erwähnt. Ihre Heirat mit Kaspar von Schönberg überführt Rittergut und Börnichen in das Eigentum dieser Familie. Nach einem ersten Lehnbrief aus dem Jahr 1482 wurde Kaspar vier Jahre später von Herzog Albrecht nochmals mit Börnichen, einer Reihe weiterer Städte und Dörfer sowie dem Schloss Sachsenburg belehnt.
Die Familie von Schönberg, genauer gesagt die durch Hans Caspar von Schönberg auf Neusorge begründete Börnichener Linie, deren Stammsitz das Schloss in Börnichen wurde, besaßen in den folgenden Jahrhunderten trotz durch Erbteilungen bedingter personeller Wechsel die Eigentumsrechte an der Gemeinde Börnichen. Die Einwohner des Ortes mussten Fron- und Zinsdienste leisten.
Die Ablösung der Fron- und Zinsdienste an die Herrschaft erfolgte 1832 gegen eine einmalige Geldentschädigung. Ein Jahr später wurde der Gesindedienstzwang aufgehoben.

Aus dem Jahr 1551 sind erste Angaben über die Bevölkerungszahl und die Größe von Börnichen überliefert. Danach umfasste der Ort 14 Hufen an landwirtschaftlichem Grundbesitz sowie Nutzungsrechten an der Flur und zählte 10 besessene Mann, 2 Gärtner, 3 Häusler und 26 Inwohner. Für 1764 sind 11 ½ Hufen von je 8 Scheffel Größe sowie 10 besessene Mann und 16 Häusler überliefert.
Im Jahr 1900 erstreckte sich Börnichen über eine Fläche von 510 Hektar.
Die Bevölkerungszahl schwankte im 19. und 20. Jahrhundert zwischen 246 (1825) und 450 (1946). Durchschnittlich zählte der Ort von 1825 bis 1974 362 Einwohner.

Nachdem Börnichen bereits im Hussitenkrieg von 1427 teilweise verwüstet worden war, wurde es vom Dreißigjährigen Krieg besonders stark betroffen. Am 14. und 15. August 1632 ging der Ort in Flammen auf. Zuvor wurde er ausgeplündert und alle Bewohner, die nicht geflohen waren, wurden erschlagen. Nur die Mühle und das kleine Herrenhaus sollen übrig geblieben sein.

Der Ortsname „Börnichen“ besteht aus dem mittelhochdeutschen Wort für Quelle „born“ und der Verkleinerungsendung „–chen“. Er bedeutet „Siedlung zum kleinen Quell“. Wie bei vielen Orten wurde im Ortssiegel von Börnichen versucht, den Ortsnamen darzustellen.

Im Jahr 1861 gründete Udo von Schönberg die Bogenschützengesellschaft, den ältesten Verein von Börnichen. Im gleichen Jahr war er Schützenkönig und stiftete aus diesem Anlass die Schützenfahne. Nach mündlichen Überlieferungen wurden die Schützenfeste zu dieser Zeit mit besonderem Prunk gefeiert. Udo von Schönberg soll hoch zu Pferd bei den Umzügen voran geritten sein. Als die Schützengesellschaft ihn 1911 zum 50jährigen Fahnenjubiläum lud, folgte er der Einladung. Bei seinem Erscheinen wurde er mit großen Ehren empfangen. Letzte Unterlagen zur Schützengesellschaft finden wir 1937, als die Schützen einen Kleinkaliberschießstand errichten wollen.

Die Brauchtumspflege und das Fördern des gesellschaftlichen Lebens auf dem Lande gehören zu den Hauptzielen der seit 1994 bestehenden Ortsgruppe Börnichen des Sächsischen Landfrauenverbandes e. V.
Seit 1995 besteht der Heimatverein „Börnichener Park“. Seine Mitglieder sehen ihre Aufgabe im Erhalt der Dorfgemeinschaft und dem Bewahren der Ortsgeschichte vor dem Vergessen.

Der Bau des Börnichener Schlosses ist 1745 vollendet worden. Ein Vorgängerbau soll auf dem Erlsberg gestanden haben. Das neue Schloss bildete mit einem Teil des Wirtschaftshofes einen sehr geräumigen Hof. Es hatte zwei Etagen und besaß eine Orangerie mit vorgebautem Gewächshaus.

Im 20. Jahrhundert war das Schloss nicht nur Herrensitz, sondern diente auch anderen Zwecken. Sieben Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieg, am 11. April 1925 eröffnete in seinen Räumlichkeiten die „Höhere Technische Lehranstalt Oederan“.
Am 20. Juni 1933 wurde in dem Gebäude ein Arbeitsdienstlager des Stahlhelms eröffnet.
Vom 28. Juni bis 9. Juli 1936 war die Abteilung des Reichsarbeitsdienstes 3/160 "Heinrich Gutsche" kurzzeitig hier stationiert.

Im Zuge der Bodenreform wurde das Schloss nach 1945 abgetragen und zum Bau von 15 Neubauernhäusern verwendet.